Wie hat sich mein Leben verändert

Wie hat sich mein Leben verändert

Neulich wurde mir die Frage gestellt, ob und wie sich mein Leben durch die MS verändert hat…

Ja das hat es. Gewaltig sogar!

Als die Diagnose ausgesprochen wurde, stürzte damit meine Welt ein. Ich war 24 Jahre alt und verschwendete bis dahin keinen Gedanken daran unheilbar krank zu werden. Ich würde behaupten zuerst war ich in einer Art schock, ich konnte nicht weinen und fasste keinen klaren Gedanken. Kurze Zeit später lief die Diagnostik weiter, ich musste noch einige Untersuchungen über mich ergehen lassen. Plötzlich stieg dieses Gefühl der Angst in mir hoch und ich dachte es erdrückt mich.

Wir hören schon von klein auf, das Gesundheit das wertvollste ist und ja das hörte ich auch und dachte ich wüsste es. Jedoch als ich die Diagnose bekam, verstand ich zum erste mal, was es wirklich bedeutet, nämlich alles.

Wer Gesundheit besitzt, kennt seinen Reichtum nicht.

Deutsches Sprichwort

Berufliche Veränderung:

Ich musste mein Leben erst einmal ordnen und mich neu kennenlernen. Nach ein paar Wochen begann ich mit der Basistherapie die aus Spritzen bestand. Die Nebenwirkungen nach den Spritzen sind Grippeähnliche Symptome. Fieber, Schüttelfrost und Gliederschmerzen. Ich wurde aufgeklärt, die Spritzen am besten Abends zu spritzen um die Nebenwirkungen zu verschlafen. An sich eine gute Idee, jedoch machte ich als Krankenschwester auch Nachtdienste und das wollte ich anfangs auch weiterhin. Im Nachtdienst hatte ich dann mit den Nebenwirkungen zu kämpfen und es ist nicht angenehm. Für meine Patienten musste ich funktionieren, alles andere wäre fahrlässig und unverantwortlich. Deshalb suchte ich schnell das Gespräch mit meinen Vorgesetzten und wir kamen zu dem Schluss, mich aus den Nächten rauszunehmen. Gleichzeitig reduzierte ich meine Stunden auf 30h die Woche.

Die Arbeit war fast alles für mich und ich liebte es. Kurz nach meiner Ausbildung begann ich Fort.- und Weiterbildungen zu machen. Ich wollte gerne mehr „erreichen“ und Karriereleiter nach oben. Mit der Krankheit und der Stundenreduzierung wars das mit meiner Karriere. Das wusste ich.

Eigentlich war das aber auch nicht schlimm. Denn mit der Diagnose war mir die Arbeit plötzlich völlig egal. Sie nahm viel Zeit in meinem Leben ein und das wollte ich mit als erstes ändern. Ich wollte Leben.

Familienplanung

Wie du eben schon gelesen hast, wollte ich eigentlich noch etwas Arbeiten und die Karriereleiter hoch. Kinder wollte ich deshalb später, also ich wollte immer Kinder, jedoch hatte ich keinen „konkreten“ Zeitplan. Tja und als ich das erste Gespräch über mögliche Therapiemöglichkeiten hatte, kam die Frage auf, ob ich in nächster zeit schwanger werden möchte… – diese Frage überrumpelte mich und ich wollte erstmal nachdenken. Mir fiel ein großer Stein vom Herzen, als ich hörte, ich kann und darf trotz der MS schwanger werden. Es ist keine Entscheidung die ich alleine getroffen habe, mein Mann (damals verlobter) und ich redeten gemeinsam über Kinder. Wir/Ich wollte warum auch immer, den Kinderwunsch nicht mehr aufschieben, ich hatte Angst vielleicht in ein paar Jahren gesundheitlich nicht mehr die Möglichkeit zu haben Mama zu werden. Natürlich brachte das ganze wiederum neue Fragen und Ängste mit sich mit, aber das ist ein anderes Thema. Ich entschied mich also für eine Therapie bei der ich schwanger werden dufte. Es gab mir ein gutes Gefühl, mich bei meiner Gynäkologin nochmal zu vergewissern das einer Schwangerschaft nichts im Wege steht.

Einstellung zum Leben

Ich weiß nicht ob du das dir Vorstellen kannst, gestern waren meine Wünsche eine neue Hose, das neue Handy oder der Urlaub am Meer und plötzlich hatte ich nur noch einen Wunsch und der war: gesund sein!!! Schmerzlich merkte ich, egal was wir haben oder besitzen, das ist nichts Wert. Am wertvollsten ist die Gesundheit. Anfangs war ich sehr wütend. Ich hatte ein Haufen Träume und Ziele, alles war mit beginn der Diagnose weg. Ich dachte, ich kann nichts mehr Planen und eigentlich ist es das ja auch so, nur war es mir vorher nicht so bewusst. Ich fragte mich immer, wann kommt der nächste Schub? und wie äußert er sich.

Meine Einstellung war plötzlich eine ganz andere. Ich war jemand der schlecht Nein sagen konnte. Ich merkte schmerzlich, ich muss erstmal nach mir schauen. Lebenszeit ist mit das kostbarste was wir haben und das möchte ich mit Momenten und Menschen füllen, die mir gut tun und die ich mag. Das Nein sagen fiel mir plötzlich leichter. Dinge die schon immer einmal machen wollte und immer auf später geschoben habe, machte ich nun. Ich dachte auch nicht mehr darüber nach, was andere über mich dachten, es wurde mir egal.

Mit der Zeit wurde ich dankbarer, für die kleinen dinge. Ich Ärgere mich nicht mehr über Sachen die ich nicht ändern kann (meistens jedenfalls) :-). Ich nehme das Leben so wie es kommt und versuche das beste daraus zu machen und das solltest du auch tun. Jeder Tag und jeder Moment ist kostbar und wertvoll. Heute habe ich wieder ein Haufen Träume und Ziele, jedoch ohne Zeitplan. Ich glaube daran, das die Dinge sich schon fügen und wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

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