Wie alles begann….

Wie alles begann….

Es war ein Samstag, der 28.02.2015, dieser Tag veränderte mein ganzes Leben. Es war nichts mehr, wie es war… aber fangen wir von vorne an.

Ich bin gelernte Krankenschwester und kam aus dem Nachtdienst ganz normal, wie so oft. Ich legte mich morgens hin um noch etwas zu schlafen, denn abends waren wir auf einen Geburtstag eingeladen, auf den ich mich sehr freute. Mittags bin ich aufgestanden und habe mit meinem verlobten in ruhe etwas gegessen. Ich erinnere mich, das die Sonne schien und so beschlossen wir, eine Runde mit den Rädern zu fahren.

Dort bemerkte ich es zum ersten mal, ich sah anders. Diesem schenkte ich keine große Bedeutung, schließlich hatte ich ein paar Nächte hinter mir und war müde. Ich dachte es kommt von der Müdigkeit und verschwindet dann schon wieder.

Es verschwand nicht, es wurde schlimmer und veränderte sich. Nachmittags erzählte ich es das erste mal meinen Mann. Ich hatte das Gefühl das alles weiße mich irgendwie blendete auf dem rechten Auge. Etwas später verschwand dieses grelle, es wurde dunkler. Ich machte mir bis dorthin keine große Gedanken. Ich wollte auf den Geburtstag, ich machte mich fertig und wir fuhren los. Auf dem Geburtstag war ich ziemlich ruhig denn so langsam steig die Angst in mir. Mein Augenlicht rechts war völlig weg. Mein Mann (damals verlobter) saß neben mir und ich sagte ihm, dass ich nichts mehr sehen kann und bitte ins Krankenhaus möchte. Er fuhr mich sofort in die Uniklinik Frankfurt, dort ist eine Augenklinik. Als wir zu Fuß über das Gelände liefen, zur Augenärztlichen Notaufnahme, dachte ich, wahrscheinlich habe ich eine Netzhautablösung. .

Es war 22uhr und ich war die einzige dort und kam sofort dran. Zuerst sollte ich in ein Gerät schauen und wieder für einen Moment platz nehmen. Dann kam eine junge Ärztin und untersuchte mein Auge und fragte mich ein paar Dinge. Sie erzählte mir, dass ich eine Neuritis nervi optici hätte, auf deutsch eine Sehnerventzündung und sie mich Aufnehmen würde um direkt mit Cortison beginnen zu können. Sie wirkte sehr ruhig und war mir sympathisch. Wir unterhielten uns etwas und lachten über die Situation, denn schließlich saß ich da in einem kurzem Kleid, hohe schuhe und voll aufgebrezelt. Ich war erleichtert, dass ich keine Netzhautablösung hatte und dachte, mit etwas Cortison ist das schon getan. Die Ärztin sagte mir, wir müssen Multiple Sklerose ausschließen und deshalb soll es Montag gleich für mich ins MRT gehen. Da war es, zum ersten mal, das Wort Multiple Sklerose. Ich schluckte und sagte mein Verlobter sitzt vor der Tür, er ist Neurologe… sie holte ihn rein und ich konnte nicht mehr zuhören. Ich saß einfach dort und die Angst stieg in mir.

Ich ging also für eine Party zurecht gemacht auf die Station. Es gab erstmal kein freies Bett für mich und durfte im Arztzimmer schlafen. An schlaf war überhaupt nicht zu denken, ich dachte nach, weinte und war völlig verzweifelt. Ich sollte bis Montag auf das MRT warten und dabei wusste ich, nachdem sie das Wort Multiple Sklerose in den Mund genommen hat, ich habe es. Irgendwann mitten in der Nacht rief ich mein Papa an. Ich sagte ihm, dass ich wohl Multiple Sklerose habe und weinte. Er versuchte mich zu beruhigen, was schwer ging. Plötzlich hatte vieles ein Sinn. Mein Schwindel, der auf Stress und wenig Trinken geschoben wurde und meine Beinschmerzen die mich so häufig quälten…Ja ich wusste es, es ist Multiple Sklerose. Ich glaube ich ahnte schon länger das etwas nicht mit mir stimmte.

Mein Mann kam Sonntags ganz früh und brachte mich ein paar Sachen und Kaffee. Er war da und versuchte mir Hoffnung zu machen, dass ich es nicht habe. Mein Augenlicht rechts war weg, alles dunkel. Montag früh ging ich direkt zu einer Untersuchung, ich sollte abwechselnd mit beiden Augen in ein Gerät schauen und drücken wenn ich einen Punkt sah. Ich begann mit links und sah viele Punkte, als mein rechtes Auge dran war, sah ich keinen Punkt. Ich bekam immer mehr Panik und fing dann bitterlich an zu weinen. Der Arzt war nett, sagte aber auch, ich hätte eine sehr ausgeprägte Sehnerventzündung und solle abwarten. Kurz darauf konnte ich ins MRT. Wer die Uniklinik Frankfurt kennt, weiß sie ist riesig. So fuhr ich mit den Klinikbus zum MRT.

Mein Mann kam mit dem Auto dorthin gefahren um mich dort abzuholen. Da saßen wir nun, im Auto und in der Hand die MRT CD. Fahren wir gleich zurück in die Augenklinik? Nein ich wollte Gewissheit und das sofort. Ich bat meinen Mann kurz Nachhause zu fahren, die CD anzusehen und noch ein paar Dinge einzupacken. Selber habe ich Jahrelang auf einer Stroke Unit (Schlaganfalleinheit) gearbeitet und ich habe etliche MRT Bilder gesehen und weiß, wie ein Gehirn aussehen muss. Zuhause ging mein Mann an den Computer um sich die CD anzusehen, er war damals Assistenzarzt und ich packte noch ein paar Dinge ein. Wir redeten und plötzlich kam keine Antwort mehr. Ich ging ins Wohnzimmer, wo er meine Bilder ansah und sah es selber, diese Punkte, die da eigentlich nicht hingehören. Ich wusste sofort, was es heißt, Multiple Sklerose. Wir schwiegen beide. Ich brach die stille in dem ich sagte, ich möchte jetzt zurück in die Klinik. – Übrigens, das mit dem Nachhause fahren, solltest du nicht nach machen! Das ist verboten aus Versicherungstechnischen gründen.

Willst du wissen was ich auf dem Weg zurück zur Klinik fühlte, nichts. Ich konnte nicht weinen, ich habe nichts gedacht, ich war leer. Zurück in der Klinik wurde ich dann erstmal Neurologisch verlegt um noch weitere Untersuchungen durchzuführen. Eine Lumbalpunktion erfolgte noch am gleichen Tag. Mein Auge wurde nicht wirklich besser. Sobald ich meine Augen schloss, hatte ich dieses Feuerwerk im rechten Auge, was mich jedes mal beim einschlafen sehr irritierte. 7 Tage bekam ich 1000mg Cortison und durfte dann erstmal wieder nachhause. Zuhause wurde es leider auch nicht besser. Ich setzte mich immer mehr mit der Diagnose auseinander und musste ganz viel mit mir selber ausmachen.

Nach 14 Tagen zuhause, hatte ich keine Besserung. Ich dachte, das wars mit meinem Auge. Ich sollte wieder in die Klinik und Double – Dose Therapie bekommen. So bekam ich 2000mg täglich. Mir ging es mehr wie schlecht von den ganzen Nebenwirkungen, ich wusste aber, ich muss da durch und wollte alles tun, mein Augenlicht zurück zu bekommen. Jeder sagte mir, es kann dauern. Vielleicht kommt es zurück, vielleicht kommt ein bisschen wieder, oder nichts. Ich kann dir überhaupt nicht sagen, wie oft bei der Augenärztlichen Untersuchung war, wo ich in das Gerät schauen musste und immer drücken, wenn ein Punkt kommt. Plötzlich sah ich mit rechts ein paar Punkte und es wurde von Untersuchung zur Untersuchung besser. Mein Augenlicht ist rechts wieder gut. Nicht so gut wie es einmal war, aber immerhin so gut, dass ich es im Alltag kaum bemerke. Selbst den Blickfeldausfall stellt nur noch mein Augenarzt fest. Ich werde immer wieder gefragt, wie lang es dauerte bis es besser wurde. Die erste bemerkbare Besserung trat nach ca. 4-5 Wochen ein und es verbesserte sich noch Monate danach.

Ja meine Diagnose begann offiziell mit einer Sehnerventzündung und deine?

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Simone

    Bei mir fing es auch mit einer SNE an. Plötzlich ein weißer Schleier und das Licht schien etwas greller zu sein. Augenarzt hat mich nicht richtig aufgeklärt und alles auf ein trockenes Auge wegen Hormonhaushalt/bzw. das stillen geschoben. Nach einem Monat war es fast weg, jetzt bin ich aber wie kurzsichtig, gerade bei schlechtem wetter/wenig Sonnenlicht. Das mit den (grünen) Blitzen beim schlafen gehen kenne ich! Man merkt dann richtig wie eine SNE stattfindet.

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