…Und plötzlich ist der Schub da.

…Und plötzlich ist der Schub da.

Ich war 4 1/2 Jahre Schubfrei, fühlte mich „sicher“ und hatte das Gefühl die Kontrolle über meinen Körper zu haben. Im Februar wird meine Multiple Sklerose 6 Jahren alt. Einer meiner ersten sarkastischen Gedanken war, ein verfrühtes Geschenk?

Zuerst machte es mir wieder diese Angst. Wut, Zorn, Trauer und die Frage nach dem Warum sind wohl immer wiederkehrende Gefühle. Es ist normal und gehört dazu.

Ich bemerkte Montags beim Sport zum ersten Mal das etwas anders ist als sonst. Mein rechtest Bein, es verkrampfte immer wieder. Nicht doll aber es fiel mir auf. Jeder mit MS kennt gute und schlechte Tage und Symptome die plötzlich auftreten und innerhalb kurzer Zeit wieder verschwinden. Ich schenkte dem ganzen deshalb nicht viel Aufmerksamkeit. Dienstag gleiches spiel, mein Bein verkrampfte plötzlich nicht nur zunehmend, nein es war auch noch schwerer. Mein Arm ebenfalls. Ich versuchte mich abzulenken, was nicht leicht war, immer wieder streckte ich Arm und Bein aus und hoffte es sei weg. Pustekuchen. Mittwoch morgens ist meine Körperhälfte auf der rechten Seite zusätzlich noch taub. Der Schub ist da, ich spüre es und ich weiß es.. Mein Mann und ich besprachen noch in der Früh, mittags mit Cortisonstoßtherapie zu beginnen.

Ich wollte am liebsten mir die Decke über den Kopfziehen, weinen und mich bemitleiden. Nicht vor den Kindern ich muss funktionieren dachte ich, stark sein. Das tat ich, die Kinder machten es mir leicht. Sie sind die beste und tollste Ablenkung die man sich nur vorstellen kann.

Gerade die Spastik und die schwere in meinem Bein ängstigten mich. Für mich fühlte sich eine Cortisontherapie einfach richtig an. Tatsächlich hatte ich schon Stoßtherapien und weiß was mich Erwarten würde. Natürlich ist das nicht immer gleich, aber in etwa wohl schon. Was diesmal anders ist, ich habe Kinder, bin weiter als vor vier Jahren und fühle mich gefestigter.

Ich habe es diesmal einfach zugelassen und mich nicht innerlich dagegen gewehrt. Das Cortison läuft ein und ich beobachtete Tropfen für Tropfen und stellte mir dabei vor, wie es meine „Entzündung“ im Gehirn heilt. Mein Puls beschleunigte sich, ich Atmete schneller und dann trat dieser Metallgeschmack ein. Es wird mir helfen und vergehen, redete ich mir immer wieder ein. Ich befinde mich nun für einige Tage in der Cortisonblase und meine Gefühle und Gedanken fahren Achterbahn. Mein Mann ist da und nimmt mir alles ab. Ich ruhe mich aus, schlafe und versuche meine Gedanken zu ordnen.

Es ist okay wie es ist. Ich bin „Krank“ das weiß ich. Die Multiple Sklerose war nie weg. Das sie irgendwann mal wieder anklopfen würde war mir bewusst und überraschte mich nicht sehr. Dennoch fühlt es sich gerade an, wie ein kleiner Kontrollverlust und ja ich bin traurig darüber.

Ich möchte „positiv“ denken, das macht alles leichter oder? Ich könnte mich darüber ärgern, was gerade alles schief läuft aber überlege stattdessen, für was ich in der jetzigen Situation dankbar bin. Ja und selbst das ist eine Menge.

  • Ich war lange Schubfrei. Über vier Jahre, das ist doch großartig.
  • Mich hätte der Schub schlimmer erwischen können.
  • Es ist rückläufig und ich bin zuversichtlich das es verschwindet.

Wenn mich die Welle mit den negativen Gefühlen überkommt, sage ich es mir immer wieder auf. Es wird schon gut werden. Ändern kann ich es nicht, aber ich kann das beste daraus machen.

Tatsächlich glaube ich einfach immer noch, das ich einfach Glück habe mit meinem Verlauf… Wir können versuchen mit einer Positiven Lebenseinstellung, Ernährung, Sport und sonstigem die Krankheit gut zu beeinflussen. – Aber mal ehrlich, dieses hat noch niemanden geschadet oder? Wie auch immer, wir haben nicht alles in der Hand. Müssen es nehmen wie es kommt und machen das Beste daraus.

Im diesem Sinne wünsche ich dir auch viele Positive Gedanken und Kraft.

Schreibe einen Kommentar