Schwerbehindertenausweis

Schwerbehindertenausweis

Schwerbehindertenausweis

Als ich Anfang 2015 die Diagnose Multiple Sklerose erhielt, dachte ich nicht über einen Schwerbehindertenausweis nach. Wirklich keinen einzigen Gedanken. Jedoch hatte ich zu beginn eine sehr aktive MS und fiel auf der Arbeit relativ häufig aus. Ich begann mir Gedanken über meine Arbeit zu machen- verständlich oder? Als der Neurologe mich nach einem Schub erneut Krankschrieb, sagte ich, es würde nicht gehen, weil ich Angst habe meinen Job zu verlieren. Er fragte ob ich schon einen Schwerbehindertenausweis beantragt habe und ich verneinte. Ich sollte mir darüber Gedanken machen. Ich überlegte hin und her und irgendwie fiel es mir sehr schwer eine Entscheidung zu treffen. Plötzlich wird die Krankheit so real und es ist schwarz auf weiß, dass ich Unheilbar Krank bin.

Ich fing an mich etwas mit dem Thema Auseinander zu setzen. Wägte Vor.- und Nachteile ab und kam letzten Endes zu der Erkenntnis, dass ich doch nichts zu Verlieren habe. Also ging ich diesen Schritt. Die größte Hürde war für mich mein Kopf, aber ich habe sie Überwunden.

 

 

Das Wort "Behindert"

Foto von Arthur Krijgsman von Pexels

Anfangs tat ich mich doch schwer mit dem Wort behindert. Es war für mich irgendwie sehr Negativ behaftet. Früher auf dem Schulhof war es eine gängige Beleidigung, „bist du behindert“? – wenn jemand komisch oder blöd war, oder „ist das behindert“, – wenn etwas schlecht war. Ich machte mir damals keine weiteren Gedanken darüber. Anders jetzt. Das Wort behindert wird leider viel zu häufig falsch genutzt. Laut Definition bedeutet Behinderung eine dauerhafte und gravierende Beeinträchtigung eines Menschen. Ja ich bin Beeinträchtigt in einigen Dingen und das Behindert mich. Wir sollten das Wort „behindert“ in unserem Wortschatz prüfen und nicht für negative dinge benutzen. 

 

 

Der Prozente % Mythos

Die meisten Menschen denken, der Behinderungsgrad wird in Prozente eingeteilt. Dies ist jedoch Falsch. Tatsächlich wird es in Grad der Behinderung (GdB) eingeteilt. Woher dies kommt, weiß ich auch nicht. Der GdB kann von 0-100 betragen, daher ist es schon naheliegend.



Wie beantrage ich den Ausweis

Foto von cottonbro von Pexels

Zuerst besprichst du es am besten mit deinem Haus.- oder Facharzt. Dieser kann dir schon mal eine Stellungnahme zu deinem aktuellen Gesundheitszustand schreiben, dies kannst du dann beim Antrag schon mitschicken. Du stellst den Antrag bei dem für dich zuständigen Versorgungsamt. Welches für dich zuständig ist, erfährst du schnell im Internet. Bei den meisten Versorgungsämter, kannst du dir das Formular direkt runterladen. Sollte das aus irgendeinem Grund nicht gehen, kannst du beim Versorgungsamt anrufen und du bekommst es per Post zugeschickt.

Auf dem Antrag werden Fragen zu deiner Person gestellt, welche Beeinträchtigungen du hast, Reha.- und Krankenhausaufenthalte sowie deine behandelten Ärzte der letzten 2 Jahre. Auf dem Antrag befindet sich ein Kästchen, welches angekreuzt werden kann, um deine Ärzte von der Schweigepflicht zu entbinden. Dies ist sinnvoll, wenn das Versorgungsamt noch Unterlagen nachfordert, können sie sich direkt an den behandelten Arzt wenden und es geht einfach schneller.

Am besten machst du von allen Unterlagen und Befunden eine Kopie und  sendest diese mit. Je vollständiger die Unterlagen sind, desto schneller sollte das ganze gehen. Einige berichten von einer langen Wartezeit, ich kann das nicht sagen. Bei mir dauerte das ganze nach Absenden der Unterlagen ca. 4 Wochen bis der Feststellungsbescheid kam. Mir wurde mitgeteilt das sie mich mit 50 GdB einstufen und wenn ich damit einverstanden sei, sollte ich ein Lichtbild senden und bekomme den Ausweis. Kurz darauf hielt ich den Schwerbehindertenausweis in der Hand. Zuerst war mein Schwerbehindertenausweis befristet auf 2 Jahre, mittlerweile ist er unbefristet.

Wenn du einen Feststellungsbescheid bekommst, mit dem du nicht zufrieden bist, lege als erstes Einspruch ein. Ich weiß es kostet Kraft aber es sollte sich Lohnen. Sprich deinen Arzt an und bitte ihn oder sie eine Stellungnahme zu schreiben. Sehr zu empfehlen ist der VdK, sie können dich sehr gut beraten und helfen dir. 

 

 

 

Vorteile eines Schwerbehindertenausweis

Du bekommst den Schwerbehindertenausweis ab einem GdB von 50. Wenn du nun weniger wie 50 GdB aber mindestens 30 GdB erhältst, kannst du bei der Agentur für Arbeit einen Gleichstellungsantrag stellen. Informiere dich in diesem Fall am besten beim Amt, diese können dir weiterhelfen.

Foto von Marcus Aurelius von Pexels
  •  Kündigungsschutz: Falls der Arbeitgeber mich nun kündigen möchte, benötigt er die Schriftliche Zustimmung des Integrationsamt. Hat er diese nicht, ist die Kündigung unwirksam. Ebenso muss bei einer Kündigung die Schwerbehindertenvertretung sowie der Betriebsrat mit einbezogen werden. Dieses gesonderte Kündigungsrecht erhalten auch Gleichgestellte. 
  • Arbeitsplatz behindertengerecht umbauen: Die Förderung des Integrationsamtes kann 100% der kosten betragen. Informiere dich dort einfach.
  • Vorgezogene Altersrente: Mit einem Schwerbehindertenausweis ist es möglich 2 Jahre früher in Rente zu gehen. (Dies ist bei Gleichstellung nicht der Fall).
  • Zusatzurlaub: Mit einer Schwerbehinderung stehen dir 5 Tage Zusatzurlaub zu. (Ebenfalls nicht bei Gleichgestellten).
  • Vergünstigte Eintrittspreise: Bei einigen öffentlichen Freizeiteinrichtungen erhältst du einen Rabatt. Frag einfach an der Kasse nach.
  • Steuerfreibetrag: Ab einen GdB von 30 erhältst du Steuerfreibeträge. 
 
 

Behinderten-Parkplätze

Foto von Ann H von Pexels

Ich wurde in meinem Bekannten Kreis gefragt, ob ich nun auf Behinderten- Parkplätzen parken dürfte. -Nein darf ich nicht. Um auf den Parkplätzen parken zu dürfen, benötigst du ein Merkzeichen in deinem Schwerbehindertenausweis. Entweder Merkzeichen „aG“ = außergewöhnlich gehbehindert, oder „BI“ = Blind. Jetzt werden einige denken, halt Moment, Blinde können doch kein Autofahren, das stimmt. Aber auch Blinde werden mal gefahren und es muss ihnen möglich sein, gefahrenlos ans Ziel zu kommen. Ebenso erhalten Eltern behinderter Kinder die außergewöhnlich gehbehindert sind, einen Ausweis. Der Ausweis ist nicht fahrzeuggebunden. Vorsicht, in einigen Bundesländern gelten Ausnahmeregeln. Diese gestatten ab einer Behinderung von 80Gdb und Merkzeichen „g“ = erheblich gehbehindert und „B“ = notwendige Begleitung auf den gekennzeichneten Parkplätzen parken dürfen.

Schreibe einen Kommentar