Schwanger mit MS

Schwanger mit MS

Eine der häufigsten Fragen die mir gestellt wird ist, was muss ich in der Schwangerschaft beachten? Vorneweg, NICHTS! bzw. nichts anderes als andere Schwangere Frauen auch.

Ich habe im Vorfeld meinen Kinderwunsch mit meinen behandelten Ärzten besprochen, sprich Neurologe und Gynäkologe. Ich konnte meine Therapie bis zum positiven Schwangerschaftstest einnehmen. Das verlieh mir ein ,,Sicherheitsgefühl“, muss aber natürlich jeder für sich selber wissen. Eine Therapie bis zum Positiven Test zu nehmen ist nicht mit allen Therapien möglich, deshalb ist es ratsam, dies im Vorfeld zu besprechen. Für fast alles gibt es eine Möglichkeit. Scheu dich nicht, deine Ärzte danach zu fragen.

Ich habe sehr, sehr viele Schwangerschatstest in meinem Leben gemacht und ein ziemliches vermögen dafür ausgegeben. Fünf mal durfte ich positiv Testen. Es ist jedes mal ein ganz besonderer und aufregender Moment. Als nach den drei Fehlgeburten mein Test zum vierten mal positiv war, weinte ich vor Freude. Meine Ärztin sagte, ,,diesmal MUSS es klappen“. Ich habe sofort beschäftigungsverbot ausgestellt bekommen, aber nicht wegen der MS, sondern aufgrund meiner Fehlgeburten. Häufig werde ich gefragt, ob die MS ein Grund ist, für eine Risikoschwangerschaft. Nein, es ist kein Grund! Ich setzte mit Positiven Test also sofort meine Medikamente ab und hoffte einfach, dass alles gut gehen wird. Die Angst nach einer Fehlgeburt ist allgegenwärtig.

Ich erinnere mich genau, in der 6ten Woche bekam ich plötzlich Blutungen. Sofort dachte ich das schlimmste und hatte große Angst. Es war ein Dienstagabend und wir fuhren in die Klinik. Ich musste nicht lange warten und war sehr erleichtert, es war alles gut. Ich ging wieder nachhause und sollte mich unbedingt schonen. Gesagt getan. Bis zur 20ten Woche haben mich die Blutungen begleitet. Psychisch war es eine große Belastung. Teilweise waren die Blutungen so stark, dass ich immer wieder dachte ,,das wars“. Ich hatte Hämatome in der Gebärmutter und später löste sich ein teil der Plazenta. In der Plazenta bildete sich dann zusätzlich noch ein Hämatom was ,,abbluten“ musste. Ich hatte also von beginn an Bettruhe. Jede menge zeit zum nachdenken und grübeln. Was nicht unbedingt gut ist.

Jeden Tag begleitete mich die Angst, dieses Kind zu verlieren. Ich war immer angespannt. Die MS rückte zu diesem Zeitpunkt erstmal in den Hintergrund. Ich hangelte mich also vom Termin zum Termin und wie heißt es so schön, ,,nach dem Termin, ist vor dem Termin“. Ich habe eine sehr nette Frauenärztin mit viel Verständnis. Ich durfte von beginn an, alle 14 Tage zum Ultraschall kommen und später Wöchentlich, zum Ende der Schwangerschaft alle 2-3 Tage. In der 29ten Woche bekam ich sehr unangenehme schmerzen. Wir fuhren in die Klinik und ich hatte leichte Wehen und eine Gebärmutterhalsverkürzung. Ich musste in der Klinik bleiben, hatte strenge Bettruhe und durfte nur zur Toilette laufen. Ich wurde über alle Eventualitäten aufgeklärt. Die ganze Sache beruhigte sich zum Glück doch relativ schnell. Nach 14 Tagen durfte ich nachhause und weiter liegen, liegen, und liegen.

Die Entscheidung wie ich entbinden würde, nahm mir mein Emil ab. Emil war bis zum Schluss in Beckenendlage und seine Nabelschnur lief nicht ordnungsgemäß in die Plazenta, dass ein Kaiserschnitt unumgänglich war. Trotz vorzeitigen Wehen und Gebärmutterhalsverkürzung, wurde der große bei 38+4 geholt. Die ganze Schwangerschaft über lies die MS mich in Ruhe. Es war gut, ihr nicht viel Aufmerksamkeit zu schenken.

Es ist wichtig zu wissen, eine Schwangerschaft wirkt sich NICHT negativ auf deine MS aus. Im Schnitt nimmt die Schubrate während der Schwangerschaft ab. Jedoch steigt das Risiko für einen Schub unmittelbar nach der Geburt an.

Ja auch ich hatte im Vorfeld Angst davor. Angst mein Kind nicht selber Versorgen zu können. Mein Mann und ich entschieden uns dazu, dass er 2 Monate Elternzeit nimmt. Dies beruhigte mich einfach, für den Fall der Fälle. Ich wartete irgendwie darauf und gleichzeitig war ich so abgelenkt mit diesen wundervollen Dingen. Es kam kein Schub und auch sonst nichts…

Du kannst dir nicht vorstellen wie glücklich ich war, endlich eine Mama zu sein. Nach der Schwangerschaft mit Emil dachte ich auch, NIE WIEDER! Das Leben spielt bekanntlich anders. Ungefähr als der Große 1 Jahr alt wurde, wuchs der Wunsch nach einem Geschwisterchen. Natürlich hatte ich Angst aber der Wunsch und dieses Gefühl noch nicht komplett zu sein, lies mich nicht los. Ich wollte es nochmal versuchen. Im September waren wir uns einig, wir schauen einfach was passiert und im Oktober war ich wieder schwanger.

Auch hier, hatte ich zu beginn Angst, war aber so abgelenkt, dass ich dem nicht viel Bedeutung schenkte. Was soll ich sagen, es war eine Traumschwangerschaft, die im Flug verging. Ich war aktiv und hatte überhaupt keine Beschwerden. Die MS ruhig und die Schwangerschaft verlief super. Unser Theo war auch bis zum Ende Beckenendlage, ich machte ständige Übungen, die das Kind aktivieren sollten zum Drehen… Nichts, aber hoffen darf man ja bis zum Ende. Während einer Routineuntersuchung in der Klinik, war dann plötzlich nichts mehr so gut. Theo war schon zu beginn der Schwangerschaft immer ,,zart“, jedoch war Emil auch klein und ich machte mir darüber keine Gedanken. Es stellte sich heraus, dass er die letzten 14 Tage nicht mehr gewachsen war. Sie fragten mich nach den Kindsbewegungen und als ich so nachdachte, ja sie waren weniger in letzter Zeit. Sofort bekam ich ein CTG und als ich fragte, ob ich nochmal kurz nachhause dürfte, wurde mir mitgeteilt ,,Sie gehen nirgendwo mehr hin, außer in den Kreißsaal“. Sofort versuchte ich meinen Mann in der Praxis zu erreichen und er kam so schnell er konnte. Ich denke 1 stunde später war unser kleiner auf der Welt. Er kam mit 1770g und 42cm auf die Welt. Der Arzt und die Hebamme sagten mir kurz nach der Geburt, welch Glück wir hatten, es wäre nicht mehr lange gut gegangen. Der kleine kam sofort auf die Intensivstation und wurde Überwacht. Atmen ging ohne Hilfe, lediglich konnte er seine Temperatur nicht halten und wurde erstmal ernährt.

Wir hatten das große Glück, dass wir, also der kleine und ich uns kurz darauf ein Überwachungszimmer teilen durften. So war ich 24std. bei ihm. Eine ganz schwierige Zeit brach an. Das Hormonchaos, die Angst um das Baby und ein Kleinkind zuhause. Ich habe einfach funktioniert und die Tage vergingen irgendwie. Nach 10 Tagen durften wir tatsächlich nachhause. Theo hatte sein Geburtsgewicht wieder und war soweit stabil. In der Klinik sagten die Ärzte, dass sie tatsächlich erst eine Handvoll Kinder unter 2000g entlassen haben. Mein Vorteil war, ich hatte schon ein Kind, kannte mich also bestens aus, das stillen klappte inzwischen prima, der kleine nahm stetig zu, mein Mann ist Arzt und meine Nachbarin war meine Hebamme. Das Wochenbett stellte ich mir natürlich ganz anders vor, aber so war es nun mal.

Die Hauptsache ist, es geht allen gut. Theo entwickelt sich völlig normal und bzgl. seiner Größe sind wir in Beobachtung und warten ab. Er wächst, er ist immer noch viel kleiner, als andere Kinder in seinem alter, aber wer muss schon der Norm entsprechen.

Zurück zur MS. Bei dem kleinen seiner Geburt war mein Mann schon in einer Praxis und es war schlecht möglich Elternzeit zu nehmen, aber das war diesmal ok für mich. Ich war nachdem der kleine und ich Entlassen wurden, relativ schnell tagsüber alleine mit beiden Kindern. Es funktionierte besser wie gedacht. Trotz des ganzen Stress am Anfang, blieb auch hier ein Schub fern. Bei uns überschlugen sich dann recht schnell die Ereignisse. Wir fanden plötzlich ein Haus, 75km entfernt von unserem vorherigen Wohnort. Von der ersten Besichtigung bis zum Einzug, vergingen 4 Monate. Das war natürlich auch alles andere als leicht. Theo kam im Juni 2019 zur Welt, der Umzug im Oktober 2019 und mein erstes Kontroll MRT nach der Schwangerschaft, war im März 2020. Es kam während der Stillzeit eine neue Läsion hinzu. Von einem Schub, habe ich nichts gemerkt. Natürlich war ich zuerst etwas enttäuscht darüber aber bei weiterem Nachdenken, bin ich doch froh. Immerhin hat sich von Sommer 2016 – März 2020 nur eine Läsion dazugesellt und das obwohl mein erstes MS Jahr, mir drei Schübe bescherte. Das ist aber eine andere Gesichte.

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