Kinderwunsch mit Multiple Sklerose

Kinderwunsch mit Multiple Sklerose

Ich bekam meine Diagnose Multiple Sklerose im Februar 2015, mitten in den Hochzeitsvorbereitungen. Natürlich unterhielten wir uns im Vorfeld mal über Kinder und waren uns sicher, wir wollen welche. 

Doch jetzt war ich krank und wusste nicht, wie es weiter gehen soll. Als erstes dachte ich an meinen Mann (damals Verlobter), es tat mir so leid für ihn, dass ich krank war. Ich war mit allem überfordert, mit der Sehnerventzündung, der Diagnose, das Cortison und lauter Fragen und Ängste in meinem Kopf. Relativ schnell wurde mir mitgeteilt, es wäre besser schnell mit einer Therapie zu beginnen. Einer meiner ersten Gedanken war, kann/darf ich mit der Diagnose überhaupt noch Mama werden?

Eine sehr nette Oberärztin besuchte mich damals im Krankenzimmer und wir Unterhielten uns genau über dieses Thema. Sie erzählte mir, das es möglich ist mit Therapie schwanger zu werden. Nicht mit jedem Medikament aber mit einigen. Ich solle das dann mit dem behandelten Neurologen besprechen. Da fiel mir erstmal ein Stein vom Herzen. 

Dennoch fragte ich mich, ob ich überhaupt eine gute Mutter sein könnte oder ob ich es lieber gleich lassen solle. Mich plagten Sorgen und Ängste, was ist wenn… Ich redete über meine Ängste mit meinem Mann und einer Freundin, diese sagte dann einmal zu mir ,,Auch wenn jemand im Rollstuhl sitzt, kann dieser ein tolles Elternteil sein“. Sie hatte recht, das wusste ich. Von der Familie habe ich leider keine große Unterstützung. Meine Eltern sind noch jung und selbstständig, sie arbeiten sehr viel. Meine Schwiegereltern leben im Ausland.

Wir beschlossen es es auf uns zukommen zu lassen und prompt war ich schwanger. Ich setzte dann meine begonnene Therapie mit dem positiven Schwangerschaftstest ab und freute mich auf das kleine Wunder. In der 10ten Schwangerschaftswoche bekam ich plötzlich Blutungen. Zuerst war noch alles ok, ein paar Tage später der Satz, der sich für immer eingebrannt hat, ,,Es tut mir leid, ich kann kein Herzschlag mehr feststellen“. Ich war mehr wie am Boden zerstört. Meine Welt zerbrach erneut.

Ein blödes Gedankenkarusell entstand. Ich dachte, ja vielleicht soll es einfach nicht sein und wer weiß für was es gut ist. Meine Frauenärztin bestärkte mich darin, es erneut zu versuchen und ein paar Monate später durfte ich wieder einen Positiven Test in den Händen halten. Dieses Glück hielt auch nicht lang und alles wiederholte sich. Nach jeder Fehlgeburt bekam ich zusätzlich noch einen Schub. Die einen sagen Hormonbedingt, ich denke die Psyche, aber egal was, ändern tut es nichts.

In meiner Wut und Trauer fühlte ich mich als hätte ich es nicht mehr verdient Glücklich zu sein. Ich wollte einfach gern Mama werden. Nach meiner dritten Fehlgeburt, war ich absolut am Ende. Mein Mann stand die ganze Zeit hinter mir und sagte, ,,dann lassen wir es und werden so glücklich“. Er sah wie ich immer mehr zerbrach und wollte mich wieder Glücklich sehen. Ich hatte eine Pause dringend nötig, von allem. Die Krankheit, der Kinderwunsch und Schwanger werden. Ich stürzte mich wieder in die Arbeit und in das Leben. Glücklich war ich nicht, ich funktionierte einfach.

Im Dezember 2015 bekam ich einen Schub der mein linkes Bein betraf. Es war spastisch. Dies machte mir große Angst und ich fing damals mit Kraft.- und Ausdauertraining an. Mein Bein wurde zunehmenden besser, worüber ich heute noch jeden Tag dankbar bin. Selbst 5 Jahre später merke ich an schlechten Tagen noch eine leichte Spastik, aber anderes Thema. Worauf ich eigentlich hinaus möchte, 9 Monate nach diesem Schub, gingen wir in die Alpen wandern. Von Hütte zu Hütte bin ich gekommen und war sehr stolz auf mich und auch auf meinen Mann. Aufgeben war keine Option. Wir hatten in diesem Urlaub nicht viel drum herum, nur wir, die Berge und das Ziel vor unseren Augen. Viel Zeit zum Nachdenken, reden und die Dinge einfach auf sich wirken lassen. Es klingt vielleicht blöd, ich konnte in dieser Zeit meinen Frieden mit der Krankheit machen, bzw. hörte ich für mich nach der Fragerei warum auf. Ich akzeptierte es einfach.

Ich fühlte mich nach langer Zeit wieder stark. Ich hatte wieder vertrauen zu mir und meinem Körper. Ich wusste, ich kann alles schaffen. Kurz nach dem Urlaub, durfte ich zum vierten mal einen positiven Schwangerschaftstest in den Händen halten und ich hatte ein gutes Gefühl. Die Schwangerschaft war nicht unbedingt schön, denn ich hatte große Sorge, dass etwas passieren könnte, Zudem nahm ich einiges an Komplikationen mit, was aber nichts mit der MS zu tun hat.

Vererbbarkeit

Wahrscheinlich fragst du dich, gebe ich die Krankheit weiter? Früher nahm man das tatsächlich an und deshalb wurde MS Patienten abgeraten Kinder zu bekommen. Heute wissen wir zum Glück, MS ist keine klassische Erbkrankheit. Es wird lediglich die Veranlagung weitergegeben. In der Deutschen Gesamtbevölkerung liegt das Risiko an MS zu erkranken bei 0,1 – 0,2%. Wenn nun ein Elternteil an MS erkrankt ist, liegt das Risiko für das Kind bei 3%. Persönlich drehe ich diese Zahl gern um, für mich heißt es zu 97% erkranken meine Kinder NICHT an MS. Wissenschaftler auf der ganzen Welt forschen nach der Ursache, zurzeit kennen wir diese leider noch nicht. Es wird davon ausgegangen, dass ein Zusammenspiel von einigen Faktoren für den Krankheitsausbruch verantwortlich ist. Diese wären Umweltfaktoren, Virusinfektionen, Rauchen und Ernährung.

Meine Tipps

Wenn du einen Kinderwunsch hast, dann teile dies unbedingt deinem Neurologen mit. Mit einigen Medikamenten kannst du bedenkenlos schwanger werden, andere solltest du absetzten und mit wieder anderen, solltest du lieber nicht schwanger werden. Es gibt für fast alles eine Lösung. Kurz nach meiner Diagnose ging ich zu meiner Frauenärztin und erzählte ihr von der MS Diagnose, meiner Therapie und meinem Kinderwunsch. Sie beruhigte mich ebenfalls. 

Wenn du dich zu deinem Medikament genau informieren möchtest, kann ich dir die Internetseite von Frau Dr. Hellwig sehr empfehlen. Sie führt seit einigen Jahren einen Schwangerschaftsregister und sammelt Daten rund um Schwangerschaft/Kinderwunsch mit MS . http://www.ms-und-kinderwunsch.de eine sehr informative Seite und medizinisch auf dem neusten Stand

Foto von Andrew Neel von Pexels

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