Entbinden und Stillen mit MS

Entbinden und Stillen mit MS

Entbinden

Als die Schwangerschaft mit meinem ersten Sohn Emil immer weiter voranschritt, finge die Gedanken an, wie Entbinde ich? Muss ich aufgrund meiner MS etwas beachten?

Wenn du den letzten Beitrag gelesen hast, weißt du bereits, ich hatte 9 Monate Bettruhe und jede menge Zeit. Ich war verunsichert. In Foren las ich von Berichten, in denen behauptet wurde, aufgrund der MS nur spontan Entbinden zu dürfen ohne PDA oder andere erzählten nur mit Kaiserschnitt unter Vollnarkose zu Entbinden. Das verunsicherte mich stark. Du kennst das sicher auch, du liest dich durch das Internet und hinterher weißt du noch weniger wie vorher.

Ich entschied mich dazu, einen Termin bei meinen Neurologen zu vereinbaren. Er fragte, was er tun könne und ich fragte ihn direkt, ob eine spezielle Entbindung bei MS empfohlen wird? Ganz klar Nein. Es gibt zahlreiche Daten, in denen nachgewiesen wird, dass die Entbindung kein Einfluss auf die MS hat. Egal um welche Entbindungsart es sich handelt. Genauso egal ist es, ob du dich für eine PDA oder bei einem Kaiserschnitt für eine Spinalanästhesie entscheidest. Mein Neurologe sagte, aufgrund der MS müsse ich nichts beachten. Ich solle ganz allein auf mich und meine Gynäkologin hören.

Meine Kinder nahmen mir beide die Entscheidung für die Entbindungsart ab. Emil war bis zum Ende in Beckenendlage und die Nabelschnur lief nicht ordnungsgemäß in die Plazenta zurück und Theo war ebenfalls Beckenendlage und wurde dann vorzeitig Notfallmäßig geholt. Beide kamen also per Kaiserschnitt zur Welt und das war okay für mich. Ich hatte jeweils eine Spinalanästhesie und war bei Bewusstsein. Es tut weh und es ist eine OP.

Stillen

Während der Schwangerschaft sinkt bekanntlich das Schubrisiko und nach einer Geburt erhöht es sich wieder, rund ein drittel aller Frauen die MS betroffen sind, erleiden in den ersten drei Monaten nach einer Geburt einen Schub. Wir wissen Stillen senkt das Risiko für einen Schub. Der Grund: Stillen zögert den Zyklus der Frau hinaus. Sobald sich der Hormonhaushalt wieder eingependelt hat und die Periode einsetzt, steigt die Gefahr eines Schubes an. Warum dies aber genau so ist, konnte noch nicht eindeutig geklärt werden.

Natürlich kennst du auch den Satz ,,Stillen ist das Beste für ihr Kind“, ich gebe zu, ich hatte etwas Angst wegen der MS. Ich wollte aber nicht vorweg greifen und es mir einfach offen lassen. Für mich beschloss ich, wenn die MS sich meldet, mache ich Therapie und Stille ab oder lasse es eben gleich bleiben. Es muss allen beteiligten gut damit gehen und wenn du von vornerein lieber wieder Medikamente nehmen möchtest, ist das völlig ok.

Ich erzählte bereits, ich wollte das Stillen probieren, ohne Druck und Stress. Aber ich habe noch nie gestillt und wusste überhaupt nicht, was auf mich zu kommt. Das der Milcheinschuss nicht gleich ist, wusste ich, das wars dann aber auch schon. Emil hatte von beginn an Probleme seinen Blutzuckerspiegel halten zu können und er war sehr schläfrig. Er hatte nur 2560g, so dass er auch nicht abnehmen sollte. Er wurde direkt zugefüttert, damit der Blutzucker sich normalisiert. Immer wieder legte ich ihn an und es kam nicht wirklich was. Ihn strengte das ganze auch sehr an. Ich bekam am zweiten Tag das Gefühl, zu versagen. Was natürlich quatsch ist, aber das Hormonchaos nach einer Geburt tut das übrige. Ich weinte den ganzen Tag und dachte durch das zufüttern, würde er nicht mehr an die Brust gehen. Ich hatte das großes Glück, dass auf der Wöchnerinnenstation es eine Stillberaterin gab. Sie war sehr nett und einfühlsam. Sie sagte, ich solle mich nicht unter Druck setzen (dass war ursprünglich ja auch mein Plan) und erstmal zur Ruhe kommen, weiter abpumpen und entspannen. Einen Tag mal etwas Pause davon machen. Sie versprach mir morgen wieder zu kommen und es mit Emil und mir wieder zu versuchen. Der Tag ruhe tat mir wirklich gut und siehe da, einen Tag später, mit ihrer Hilfe klappte es. Emil musste zwar immer wieder geweckt werden aber ich hatte einen Milcheinschuss. Ab da funktionierte es. Emil musste zuhause nicht mehr zugefüttert werden und ich hatte nie Probleme was das stillen angeht.

Bei Theo war ich im Vorfeld viel entspannter. Ich wusste was mich bzgl. des Stillens erwartet. Hier dachte ich auch wieder, ob ich stille oder nicht, entscheide ich spontan, je nachdem ob die MS sich meldet oder nicht. Dann kam er ganz plötzlich mit 1770g zur Welt. Kurz nach der Geburt bekam er erstmal eine Magensonde durch die Nase gelegt und wurde so ernährt. Er durfte keinesfalls abnehmen. Am nächsten Tag, trank er schon aus der Flasche und die Sonde konnte entfernt werden. Er war richtig „fit“, bis auf das Temperatur Problem. Ich habe am nächsten Tag mit abpumpen begonnen und mit anlegen, der Milcheinschuss kam rasch und auch ihn konnte ich ohne Probleme stillen. Meine Milch reichte anfangs nicht ganz und Theo wurde zugefüttert. Wir teilten uns eine ganze Weile ein Überwachungszimmer. Es war sehr anstrengend und Kräftezerrend. Damit er wirklich nicht abnahm, musste er alle 3std. gefüttert werden und vor und nach jedem Stillen + zufüttern, habe ich ihn wiegen müssen. Jedes gram zählte. Sobald ich ein paar Minuten weggenickt bin, klingelte entweder der Monitor oder jemand betrat das Zimmer. Zuhause war alles deutlich ruhiger und entspannter. Dann klappt das Stillen auch noch viel besser.

Wahrscheinlich fragst du dich jetzt, ja wie lang hat sie denn nun gestillt? Emil stillte ich 8 Monate und Theo 9 Monate. Mir ging es gut und die MS war ruhig. Ich fühlte mich plötzlich mal wieder ,,ganz normal“ und genoss die Medikament freie zeit. Dennoch als die Kinder immer mehr gegessen haben und das stillen weniger wurde, ging es mir nicht mehr so gut. Ich fühlte mich unendlich müde und der Wunsch wieder mit Therapie zu beginnen wuchs. Es wird Empfohlen schnell abzustillen und für uns war es auch das beste. Innerhalb von 3 Tagen war das Thema durch, mit viel Pfefferminztee. Die Kinder bekam abends zuerst eine Flasche Milch zum einschlafen und obwohl beide vorher nie wirklich Flasche getrunken hatten, haben sie sich beide schnell daran gewöhnt. Kurz nach dem Abstillen ging es beide male für mich ins MRT. Während Emils Schwangerschaft und Stillzeit, kam nichts neues in meinem Kopf dazu. Bei Theo kam eine neue Läsion dazu, die ich aber nicht als ,,Schub“ merkte.

Ich möchte gerne sagen, selbst wenn du einen Schub im Wochenbett oder danach bekommst, kannst du trotzdem stillen. Selbst bei einer Kortison Therapie ist es möglich, Du musst dann 4std. warten und erst abpumpen. Ich schrieb, schwanger dachte ich, wenn die MS sich meldet, nicht zu stillen. Ob das aber auch wirklich meine Entscheidung gewesen wäre, weiß ich nicht. Ich bin sehr dankbar darüber, das ich diese Entscheidung nicht treffen musste. Ebenso wenig möchte ich dir zu irgendwas raten. Stillen ist toll, keine Frage, aber hör einfach auf dein Gefühl. Du kennst dich und deinen Körper sowie bei Baby am besten und dein Gefühl wird dich nicht täuschen. Lass dir auch nichts einreden.

Wenn du jetzt noch Fragen hast, stell sie gerne.

Schreibe einen Kommentar