Akzeptieren

Akzeptieren

Akzeptieren ist so wichtig und gleichzeitig so schwer. Wir wollen die Kontrolle über unser Leben haben, über unsere Gefühle, unseren Gesundheitszustand und unser Leben. Verlieren wir nun aufgrund eines Ereignisses die „Kontrolle“ fühlen wir uns Ohnmächtig und hilflos. Eine Krise der wir zunächst nicht gewachsen sind, gibt uns ein Gefühl des Versagens. Wenn du Akzeptierst, macht es vieles leichter und glaub mir, ich weiß wovon ich spreche. Als ich 2015 die Diagnose Multiple Sklerose erhielt, zerbrach meine Welt und ich bin in ein tiefes Loch gefallen. Ich würde mal behaupten, es ist absolut normal. Denn plötzlich bin ich krank und das unheilbar. Damit bin ich nicht zurecht gekommen. Innerhalb weniger Tage war nichts mehr wie es wahr. Ich habe gefühlt die Kontrolle über mein Leben verloren. Ich war wütend, hatte Angst und fühlte mich machtlos.

Ich wollte diese Krankheit nicht Akzeptieren. Ich kämpfte regelrecht dagegen. Es kostete mich sehr viel Energie. Immer wieder redete ich mir ein, es sei nicht wahr… dachte mir neue, für mich plausible Erklärungen aus. Mein Kopf war ununterbrochen damit beschäftigt, sich dagegen zu wehren. Von Morgens bis Abends war ich damit beschäftigt und selbst Nachts grübelte ich oder befragte Dr. Google. Die ersten 1 1/2 Jahre verbrachte ich so. Mein Mann sagte häufig, „es ist einfach so“… Natürlich hatte er recht, jedoch machte es mich zu diesem Zeitpunkt noch viel wütender. Ich wurde müde vom denken, kraftlos und schwach.

Akzeptieren

Das Wort hat seinen Ursprung aus dem lateinischen „accipere“ und das bedeutet soviel wie „gutheißen oder einverstanden“ sein. Akzeptieren heißt nicht aufgeben. Auf einer sehr tiefen Ebene bedeutet Akzeptieren JA zum Leben zu sagen und auch dazu was es bereit hält.

Warum Akzeptieren so wichtig ist

Akzeptieren bedeutet also hinnehmen. Solange du gegen etwas ankämpfst, kostet dich das ganze viel Energie und Kraft. Die brauchst du an anderer stelle viel mehr. Ein Großteil unseren „Lebensglück“ findet im Kopf statt. Wenn du nun akzeptierst, schwimmst du im sogenannten Strom des Lebens wieder, ohne wichtige Energie zu verschwenden.

Wenn wir die Realität nicht akzeptieren, dann leiden wir. Widerstand ist leiden!

https://www.palverlag.de/lebenshilfe-abc/akzeptanz.html

Akzeptieren was nicht geändert werden kann, macht glücklicher und zufriedener. Lege den Fokus auf Dinge, die du selber in der Hand hast. Verzweiflung und Hilflosigkeit bleibt aus.

Was wir akzeptieren müssen

Du kannst nicht alles beeinflussen: Eigentlich sollten wir wohl froh über diese Tatsache sein, denn sonst wäre das Leben ziemlich langweilig oder? Ich denke tatsächlich, dass wir viel mit Positivem Denken erreichen können, aber wenn es nicht sein soll, dann soll es nicht sein. Seit dem ich Krank bin, versuche ich mir keine großen Lebenspläne zu machen, denn es kommt bekanntlich anders als man denkt. Wenn ich dir jedoch zu etwas Raten kann, sei flexibel. Gehe mit offenen Augen durch die Welt und dann wirst du unerwartete Überraschungen sehen und erleben.

Vergangenes lässt sich nicht ändern: Was geschehen ist, ist geschehen und diese können wir nicht mehr ändern. Deshalb müssen wir es Akzeptieren. Du hast jedoch die Möglichkeit es ab jetzt besser zu machen und du bist an Erfahrungen reicher. Rückblickend habe ich viel mit meiner Vergangenheit gehadert. Ich fragte mich, was habe ich falsch gemacht? Was ist passiert, warum ich jetzt krank bin? Waren es die Zigaretten, der Schichtdienst, ungesundes Essen, Partynächte… Wer weiß es schon, die Antwort darauf werde ich nicht bekommen. Jetzt Lebe ich bewusst gesünder!

Das Leben und die Welt sind nicht fair: In den meisten Filmen und Büchern gibt es ein Happy End, warum? Weil wir es uns alle wünschen. In der realen Welt gibt es kein Happy End. Wenn du Krank bist oder dir schlimme Dinge widerfahren hast du dich sicher auch schon gefragt, warum solch Dinge dir passieren- ich fragte mich das auch. Es ist einfach nicht gerecht. Die liebevollsten, selbstlosesten und aufrichtigsten Menschen können das schlimmste Schicksal erfahren. Im Leben gibt es tage voller sonne und andere die voller regen sind, beides ist vergänglich. Wir können uns nicht aussuchen, was das Leben für uns bereithält- aber wir haben es in der Hand, was wir daraus machen.

Sicherheit im Leben ist nicht möglich: Niemand weiß was das Leben für uns bereithält. Ungewissheit löst bei vielen Sorge und Ängste aus. Es wäre schade, wenn du aus Sorge oder Angst auf irgendwas verzichtest, was mal sein könnte. Nach meiner Diagnose vergrub ich erstmal dem Traum vom Haus, er kam aber immer wieder hoch. Meine größte Sorge, waren Treppen und bauliche Gegebenheiten, wenn ich einmal nicht mehr kann. Studien besagen, jeder 3te. MS Betroffener landet im Rollstuhl. Warum soll ich der 3te sein? und selbst wenn, können wir Umbauen oder Verkaufen und Umziehen. Bei der Multiple Sklerose kennt keiner den Verlauf, ich dachte, wenn ich alt bin und es mir gut geht, würde ich es vielleicht bereuen? Also ich habe nichts zu verlieren und 2019 wagten wir den Hauskauf und sind sehr glücklich damit.

Menschen machen Fehler: Ich mache Fehler, du machst Fehler, wir alle machen Fehler. Sie gehören dazu. Durch Fehler wird uns ermöglichst, uns selber besser kennenzulernen und uns weiterzuentwickeln. Wenn sie nun akzeptierst, bei dir und bei anderen, tust du dir selber den Größten gefallen. Du solltest unbedingt damit aufhören, dich selber nach einem Fehler stark zu verurteilen. Dadurch stehst du dir nur selber im Weg. Ärger dich auch nicht über die Fehler von anderen, denn das zieht dich ebenfalls runter. Du entscheidest mit welchen Emotionen du dich abgibst. Positive Emotionen sind besser für jeden von uns.

Menschen sind, wie sie sind: Wir sind alle unterschiedlich. Haben unterschiedliche Werte, Ansichten, Prinzipien, Glaubensgrundsätze, Gefühle, Erfahrungen, Ziele und noch vieles mehr. Meine Ziele oder Ansichten sind sicher nicht die gleichen wie deine und das ist doch völlig ok oder? Wir sollten jeden Menschen respektieren wie er ist.

Richtige und Falsche Entscheidungen: Wir müssen in unserem gesamten Leben ein Haufen Entscheidungen treffen und weißt du was, es gibt überhaupt keine richtigen und falschen Entscheidungen. Du weißt vorher überhaupt nicht, wie sich irgendwas entwickelt und was das Leben für dich bereithält. Du kannst aber die Entscheidung zur richtigen machen, in dem du auf dich hörst und tust, was dich glücklich macht und was sich in dem Moment richtig anfühlt.

Alles geht vorbei: Schlechte und Traurige Dinge passieren. Sie vergehen wieder, auch wenn es sich nicht so anfühlen mag. Alles vergeht. Jedes Leben. Akzeptiere das du irgendwann sterben wirst, klingt vielleicht erstmal etwas Makaber, es hat aber auch Vorteile. Denn wenn es dir bewusst ist, lebst du bewusster und so wie DU es möchtest.

Gott, gib mir die Gelassenheit,

Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,

den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,

und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Reinhold Niebuhr

Wann ich Akzeptiert habe

Ich weiß genau wann und wo ich meine Diagnose angenommen habe. September 2016 in Tirol. Wir wollten wandern in den Bergen und machten deshalb Urlaub dort. Das diese Reise mein Leben ändern würde, daran dachte ich vorher nicht. Berge und Wir, sonst nichts. Es fiel mir zu beginn schwer, jedoch war aufgeben keine Option. 9 Monate vorher hatte ich einen Schub der mein linkes Bein ziemlich spastisch machte, es zitterte immer wieder stark, ich brauchte vielleicht etwas länger und viele Pausen, aber ich war umso stolzer oben auf den Hütten angekommen zu sein. Ich konnte es und ich bekam wieder Selbstvertrauen. Ich habe sehr viele Dinge mit mir und meiner Krankheit während dem Wandern ausmachen können. Auch wenn es blöd klingt, ich habe dort meinen Frieden mit der Krankheit gemacht. Ohne die MS wäre ich wohl auch nicht an diesen Ort gereist, ja wahrscheinlich hätte ich ganz viel nicht gemacht… aber das ist ein anderes Thema. Ich fühlte mich nach langer Zeit wieder „frei“ und gut. Ich wusste, mein Leben geht jetzt wieder aufwärts. Ich bekam Mut wieder Dinge anzugehen und in meinem Kopf fanden endlich neue Gedanken platz, die sich nicht um die Multiple Sklerose drehten. Ein paar Tage nach dem Urlaub, hielt ich einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand. Nach 3 Fehlgeburten nicht so leicht, aber ich wusste, es bleibt, es klappt und es wird gut werden. Das wurde es!

Tipps wie du Akzeptierst

Bleibe Gelassen: Bleib ruhig. Es nützt nichts, sich über Dinge aufzuregen die du nicht ändern kannst. Du stehst im Stau und ärgerst dich über die Verlorene Zeit? Der häufigste Grund für einen Stau ist ein Defektes Fahrzeug oder ein Unfall, sei froh dass es dir gut geht und hoffe das niemanden etwas passiert ist.

Lebe im hier und jetzt: Ärger dich nicht über deine Vergangenheit, es ist geschehen und du kannst es nicht mehr ändern. Du darfst dir auch keine Sorgen über deine Zukunft machen, denn du weißt nicht was geschieht. Überkommt dich nun Sorgen oder Ängste, Atme tief und bewusst in den Bauch und sage dir, „Ich bin im Hier“ konzentriere dich auf den Augenblick, was siehst du? schmeckst du? fühlst du?

Spreche Dinge laut aus: Mach dir die Kraft deiner Worte zu Nutze.

  • Ich habe die Diagnose (Multiple Sklerose) bekommen und es macht mir Angst.
  • Ich bin wütend über den Schub

Mit dem laut Aussprechen, kannst du dich einfacher damit auseinandersetzen.

Dankbar sein:

Führe dir alles gute in deinem Leben vor Augen. Du wirst sicher eine ganze menge wertvolle Dinge in deinem Leben haben, worüber du dankbar sein kannst. Dankbarkeit wird dich jeden Tag ein kleines Stück glücklicher machen und wird dir helfen Krisen besser zu überstehen. Als Tipp, schreibe dir abends 3 Dinge auf, worüber du dankbar und glücklich warst. Du könntest es in einem „Dankbarkeitsglas“ sammeln und wenn es dir mal schlecht geht, holst du dieses Glas hervor und weißt wieder worüber du dankbar ist.

Fazit

Wie ich schon erzählt habe, war das Akzeptieren der Krankheit sehr schwer für mich. Egal in welcher Krise wir uns befinden, es wird keiner von dir verlangen, dass du alles sofort hinnimmst. Gib dir Zeit. Du darfst, Trauern, Weinen und wütend auf die ganze Welt sein. Das brauchen wir manchmal eben auch. Wichtig ist jedoch, dass du aus deinem Loch wieder rauskommst. Das Akzeptieren macht wirklich vieles oder sogar alles leichter. Mein Leben hat sich zu früher wirklich deutlich geändert. Ich bin dankbarer, glücklicher und zufriedener. Ich lebe bewusster und bin viel ruhiger geworden. Luft nach oben gibt es an einigen Tagen hier auch… Ich ärgere mich aber nicht mehr über Kleinigkeiten und Dinge die ich nicht ändern kann. Es ist wie es ist!

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Gazale

    Guten Abend,
    Ich im Alter von 21 Jahren!
    bekahm Ich, die Erkrankung am ??.11.2018 vom NICHTS!
    Die hat sich langsam gezeigt!
    Ich hatte Augen schmerzen ,Kopfschmerzen ,Schwindel nach einer Zeit kahm das viele Erbrechen dazu :,( ich bin verzweifelt zum Haus Arzt gegangenen ich hatte geweint ich habe um Hilfe gebettelt weil ich dachte ich werde sterben 🙁
    Dann wurde die Diagnose als Psychisch festgestellt 😒 dann war ich zur 3. Klinik gefahren! Die mir zugehört haben & endlich mich ins MRT geschoben haben & dann am 29.12.2018 bekam ich die Ergebnisse 😭😭 Multiple Sclerose

    1. Janevski

      Das tut mir sehr leid für dich. Ich hoffe du kannst mittlerweile „gut“ damit umgehen und hast wenig Symptome im Alltag! Ich wünsch dir alles liebe und gute!

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